Bild: Stich "Statt Gmindt" aus Topographia Austriare ionferiosis 1672 von G. M. Vischer

 

Das Gemünde von Lainsitz und Braunau gab Gmünd, der nördlichsten Bezirks- und Grenzstadt Österreichs, den Namen.
Über die Stadtgründung wissen wir nicht viel. Die vom Wald bedeckten, unwirtlichen Flächen zwischen dem Donauraum und dem Böhmischen Kessel - in den Urkunden "silva nortica" (der Nordwald) genannt - wurden zwischen 1050 und 1250 kolonisiert. Von der Donau im Süden, vom Kamptal im Osten und vom Budweiser und Wittingauer Becken im Nordwesten drangen die Siedler aus unterschiedlichen Sprachräumen langsam vor. Im Lainsitzgebiet trafen sie aufeinander, Streitigkeiten waren die Folge.
In der am 1. Juli 1179 zu Magdeburg ausgestellten Urkunde Kaiser Friedrichs I., in der ein Grenzstreit geschlichtet wird, ist von der Stadt Gmünd noch nicht die Rede, wohl aber wird das Gemünde genannt.
Die erste urkundliche Erwähnung findet sich im Stiftungsbuch des Klosters Zwettl, einer Gründung der Kuenringer, die auch als Gründer von Gmünd angenommen werden können. Hadmar II. (1182 - 1217) zählt darin Gmünd zu seinen wichtigsten Besitzungen im Waldviertel. Gmünd dürfte also kein unbedeutender Ort mehr gewesen sein. Auch der Grundriss und die Anlage der Stadt und der romanische Kern von Schloss und Pfarrkirche weisen auf die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts als Gründungszeit hin.
Jahrhunderte lang erfüllte Gmünd die Aufgabe einer Grenzfeste. Schützend umgab die Stadtmauer, von der heute noch Reste erhalten sind, das Gemeinwesen. Das von Lainsitz und Braunau steil aufsteigende, teils sumpfige Gelände und der Stadtgraben begünstigten die Verteidigung, konnten die Stadt aber nicht immer vor Einfällen bewahren. Böhmen verwüsteten das nördliche Waldviertel und steckten 1278 die Kirche in Brand. In den Hussitenkriegen sind die Privilegien und Freiheiten der Bürger verbrannt. Durch Verrat der damaligen Herren von Puchheim kam die Stadt 1483 in die Hände des Ungarnkönigs Matthias Corvinus, der den Söldnerführer Niklas Spanovsky zum Hauptmann von Gmünd ernannte; er war einer der härtesten Herren und machte vom Privileg der Steuereintreibung - auch für seine eigene Tasche - reichlichst Gebrauch.
Trotzdem beugten sich die Bürger nicht widerstandslos und überstanden dieses Joch genauso wie die Wirren der Reformation und Gegenreformation, die Schrecken des 30-jährigen Krieges, die Pest und den verheerenden Brand von 1763, der die ganze Nordseite des Stadtplatzes erfasste und 20 Häuser einäscherte. Die Stadt lebte ihr Leben wie viele andere waldviertler Kleinstädte auch: Als bescheidene Kleinstadt mit Ackerbürgern und kleinen Handwerkern. Ihre Einwohnerzahl hatte jahrhundertelang eintausend nicht erreicht, innerhalb der Stadtmauer gab es 81 Häuser, in der Vorstadt Nasterzeile weitere 15.
Die große Wende kam mit der Eröffnung der Franz-Josefs-Bahn 1869 und der Aufnahme des Bahnverkehrs Wien - Prag 1871. Gmünd fand Anschluss an den Weltverkehr und an das Wirtschaftsleben der Donaumonarchie.
Die Stadtverantwortlichen haben in dieser Zeit große Umsicht bewiesen, zeigten erstaunliche Aufgeschlossenheit und haben hervorragende Leistungen erbracht. 1873 begann man mit dem Abbruch der Stadttore. Gmünd wurde ein eigener Verwaltungsbezirk und erhielt ein Bezirksgericht. Rathaus und Schulen wurden gebaut, die Wasserleitung verlegt. Die Stadt war zum Industrie- und Verkehrsknotenpunkt geworden. Die Wirtschaft gab in einer Leistungsschau ein kräftiges Lebenszeichen.
Eine Novität dieser Zeit war das elektrische Oberleitungs-Automobil, dem in diesem Buch mehrere Seiten gewidmet sind.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges überschwemmte eine Flüchtlingswelle die Stadt. In wenigen Wochen wurde ein Barackenlager für 36.000 Menschen erbaut. Der Grundstein für den heutigen Stadtteil Gmünd-Neustadt war gelegt, denn die Überlebenden kehrten nach Kriegsende in ihre Heimat zurück oder wanderten nach Übersee aus. 30.000 bedauernswerte Opfer blieben am Flüchtlingsfriedhof zurück.
1920 wurden die Staatsgrenzen neu gezogen. 13 Nachbargemeinden fielen an die Tschechische Republik. Gmünd verlor den Hauptbahnhof. Während des Zweiten Weltkrieges kehrte das Gebiet noch einmal nach Österreich zurück. Der amerikanische Bombenangriff am 23. März 1945 richtete schwere Verwüstungen an und forderte 336 Menschenopfer. Zwei Monate später wurden die Staatsgrenzen nach dem Friedensvertrag von St. Germain wieder hergestellt. Mitten durch die Stadt verlief der Stacheldraht, der erst im Dezember 1989 abgerissen werden sollte.



 

 

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